Mobile menu

Dorfgeschichte


Name und älteste Geschichte

Kinsau Unterdorf, kolorierte Postkarte, 1910Das älteste Zeugnis aus Kinsaus Geschichte ist sein Name “Königsau
Der Ort ist bei seinem bisher bekanntesten ersten urkundlichen Auftreten um 1300 ein Bestandteil der Herrschaft der Herren von Seefeld am Peißenberg.



1300 Im Urbar der Herren von Seefeld am Peißenberg aus der Zeit von 1300 – 1320 wird unter den grundherrschaftlichen Besítzmittelpunkten der Ort „Chungsawe“ mit 19 Höfen, an der Spitze der Verwaltungsmittelpunkte Maier- und Sedelhof, genannt. (Urbar = Verzeichnis der Güter, Einkünfte und Rechte eines Grundherrn).

1323 In einer Urkunde vom Kloster Steingaden schreibt man „Kunigsowe“.

1331 In einer Urkunde vom Kloster Benediktbeuren lautet der Ortsname: „Chuengsawe“.

1368 Liest man in einer Urkunde aus dem Archiv der Herren von Seefeld: „Küngsaw“.

1600 In der ältesten erhaltenen Karte der Westgrenze des Herzogtums Bayern wird der Ort „Khingsaue“ genannt.

1699 Im Plan der Bayerischen Landesgrenze im Bereich des Hochgerichts Schongau heißt der Ort „Khingßawe“.

1755 In einem Plan der Entwicklung der Bayerischen Landesgrenze im Bereich der Landgerichte Landsberg und Schongau schreibt man:„Künsau“; damit ist die heute gebräuchliche Form des Namens erreicht.


Die Verschiedenheit der älteren Beschreibungen sind sachlich ohne Belang, die Bedeutung des Namens ist klar:„Chungsawe“ heißt Königsau. Bestimmungswort = Königs-, Grundwort= Au. Der Name Königsau weist auf alten Staatsbesitz in diesem Raum hin.

R.DERTSCH hat überzeugend anhand den Untersuchungen von Ortsnamen im Raum Kaufbeuren gezeigt, wie vom „Königs-Hof“ Kaufbeuren aus eine planmäßige, staatsfränkische Rodungssiedlung betrieben worden ist, die in unserem Untersuchungsraum bis in die Gegen des Sachsenrieder Forstes hineinreicht. Die Namen Königsau (Kinsau) und Kingholz (Königsholz) weisen auf Königsgut westlich von Schongau hin. Die Ortsnamen Ingenried, Kinsau, Sachsenried, Frankau und Königsried sowie der Flurname Kingholz lassen den Schluss zu, dass wir es auch in diesem Gebiet mit einer staatsfränkischen Kolonisation (Ansiedlung bäuerlicher Bevölkerung im Inland) im 8. und 9. Jahrhundert zu tun haben, die R. DERTSCH für das anschließende Gebiet des Königshofes Kaufbeuren wahrscheinlich gemacht hat.

Aus der reichen Geschichte des Ortes ein kurzer Überblick

altes Luftbild KinsauDer Ort ist bei seinem bisher bekannten ersten urkundlichen Auftreten um 1300 ein Bestandteil der Herrschaft Peißenberg, im Besitz der Herren von Seefeld. Der Name in der ältesten Form „Chungsawe“ weist auf alten Staatsbesitz hin, d. h. auf fränkisches Königsgut.
Nach dem Aussterben der Seefelder kam Kinsau 1420 zum herzoglichen Niedergericht Rauhenlechsberg bis 1820.
Einen Teil der Seefelder Güter erbten die Herren von Freiberg, die 1445 große Wälder und ca. 600 Tagwerk Äcker und Wiesen dem Spital Schongau verkauften; weshalb auch die Pfarrei Kinsau 1451 dorthin einverleibt war und daher bis 1972 zum Dekanat Schongau gehörte.

Kaufvertrag von 1445

Das Spital Schongau kauft von Friedrich von Freiberg um 620 rheinische Gulden die 9 Höfe zu Kinsau, dazu das Gericht halbs, den Wald am Adlersberg und den Wald am Steinsberg, der an den Herzogwald und an die Rotwiese stoßt.
Andere bedeutende Grundherrschaften treten auch später nicht auf, so dass neben der Grundherrschaft Rauhenlechsberg mit zwei ganzen Höfen, zwei halben und 5 kleinen Anwesen noch 1752 von den 61 Anwesen – 6 halbe und vier Viertelhöfe dem Spital gehören, die anderen auf die Gemeinde – 23 kleine Anwesen und 16 Eigenbesitz entfielen.

Güterbestand des Pflegegerichts Rauhenlechsberg, Hauptmannschaft Kinsau, 1753

Kinsau: 61 Anwesen, davon:
Kastenamt Rauhenlechsberg: 2 ganze Höfe, 2 halbe, 4 – 1/4, 1 – 1/16.
Spital Schongau: 6 halbe Höfe, 4 – 1/4.
Gemeinde: 2 – 1/8, 19 – 1/16, 2 – 1/32, Pfarr-Widem: 1/32.
Bauern des Ortes: 16 je 1/16, eigen: 3 je 1/16.

Dies spricht für eine frühe Selbständigkeit wie auch dafür, dass landsherrschaftliche Ämter ihren Gemeinden und Bauern den Besitz erhielten.
Es wurde noch Jahrhunderte unterschieden zwischen Herzogbauern und Spitalbauern.
Die Besitzzersplitterung, der klein- und mittelbäuerliche Besitz, der hohe Anteil an damals menschenfeindlichem Wald, die geringe Fruchtbarkeit und die geschützte Lage verschonten den Ort mehr als andere vor Besitzkämpfen, Kriegswirren und Plünderungen. Auch von Pestopfern ist nichts bekannt.

Kinsauer GemäldeErst 1703 
kamen Husaren ins Dorf, raubten und brandschatzten die „hülzernen“ Häuser, und die Sorgen zogen sich hin in die Erbfolgekriege von 1744.
Die Sprache ist mehr schwäbisch, weil zu den Orten östlich des Lechs wenig Verbindung bestand.

1906 baut Apfeldorf eine Lechbrücke, die 1945 zurückflutende deutsche Truppen sprengten. Die Besetzung durch französische und amerikanische Truppen war trotzdem nicht aufzuhalten. Die 1947 errichtete Behelfsbrücke hielt bis 1980 dem Verkehr stand und ist nun durch eine breite Stahlbetonbrücke vom Straßenbauamt ersetzt worden, weil dieser Straßenzug seit 1972 Staatsstraße ist. Vorher ist seit 1552 eine Fähre (Überfahrt) nachgewiesen, die auch in die Hirschau führte.
Kinsau kam 1803 nach Auflösung der herzoglichen Pflege Rauhenlechsberg zum Landgericht und späteren Bezirksamt Schongau. Am Lech stand eine bedeutende Sägmühle, die 1904 die Papierfabrik Kempten kaufte und eine Cellulosefabrik für ca. 80 Arbeiter errichtete, bis sie ab 1928 nur noch als E-Werk durch die Papierfabrik Haindl genützt wurde. Heute ist sie in der Kette der Lechstaustufen eingereiht.
Das im Jahr 1907 erbaute Umleitungskraftwerk mußte aus Sicherheitsgründen 1990 abgebrochen werden. Von 1989 bis 1992 wurde ein neues Umleitungskraftwerk gebaut.

Einwohnerentwicklung

Um 1445 zählte man 160 Einwohner, heute sind es knapp über 1.000 Einwohner.